Umgestaltung zum Erlebnisweingut Umbau und Sanierung der barocken Schlossanlage Neubau der Produktionsanlage für Wein und Sekt
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Für die Entwicklung des Projektes Schloss Wackerbarth steht das Zusammenspiel von Weinanbau, Wein- und Sektproduktion und Wein erleben im Mittelpunkt. Das Weingut Schloss Wackerbarth liegt unterhalb der Lößnitzhänge in Radebeul. Die historische Anlage des Landsitzes von August Christoph Graf von Wackerbarth umfasst Schloss, Belvedere sowie östliches und westliches Nebengebäude, sie wurde ab 1728 gebaut. Die barocke Schlossanlage schafft Verknüpfung zwischen Kulturlandschaft und gebauter Natur bis hinein in die Gebäude. Von diesem Punkt aus beginnt das Erlebnis des Ortes und daran wird bei der architektonischen Weiterentwicklung des Ortes angeknüpft.
Ziel ist, die baulich verunklärte barocke Anlage mit den Gärten und Gebäuden wieder erlebbar zumachen und gleichzeitig mit modernen Mitteln eine neue Hülle für Produktion, Lagerung und Verkauf zu schaffen.
Die Produktionsgebäude aus den 1950er und 1970er Jahren wurden daher durch eine neue Produktionsanlage ersetzt, die die Gesamtanlage nach Osten hin abschließt. Durch sie betritt der Besucher heute das Gelände mit einem Gesamtblick auf die historische Anlage und die Weinhänge.
Sanierung der barocken Schlossanlage
Die historische Schlossanlage besteht aus vier Gebäuden, die einen barocken Terrassengarten umrahmen. Im Süden wird das Schloss durch einen Heckengarten und das Wasserbassin ergänzt.
Vermutlich 1728 wurde die Anlage durch den Barockbaumeister Johann Christoph Knöffel für Generalfeldmarschall und Kabinettsminister August Christoph Graf von Wackerbarth errichtet. Es gab mehrere Umgestaltungen, zuletzt eine Rebarockisierung um 1917 und eine Rekonstruktion in den 1970er Jahren.
Um die barocke Inszenierung der Raumfolgen wieder erlebbar zu machen, wurde zunächst der Gebäudebestand auf das historische Ensemble zurückgebaut und die Gartenanlage wiederhergestellt.
Das Schloss bildet den Kern der historischen Anlage. Entsprechend seiner ursprünglichen Intention wurde es als repräsentativer Tagungs– und Veranstaltungsort entwickelt. Das Gestaltungskonzept verfolgt für das Schloss in seiner neuen Nutzung ein homogenes Erscheinungsbild, wobei ein sensibler Dialog zwischen Neufassung und Bestand geführt wird. Eine äußert schlicht gehaltene Farbgebung schafft den Freiraum für die noch erhaltenen historischen Ausstattungsteile wie Türen, Stuckdecken und Sockelpaneele in der Fassung der 20er Jahre. Die barocke Enfilade der nordseitigen Räume im Erd- und Obergeschoss wird wieder erlebbar gemacht. Die notwendigen zeitgemäßen Ausstattungselemente (WC-Einbauten, Aufzug) werden behutsam jedoch ablesbar hinzugefügt.
Die seitlichen Nebengebäude dienen heute als Veranstaltungsorte und für Gastronomie rund um das Thema Wein – hierbei wurden auch die historischen Weinkeller integriert. Die Sanierung wurde mit einfachen Mitteln durchgeführt, der ursprüngliche Charakter der Nebengebäude konnte so erhalten werden.
Das Belvedere wurde im 18. Jh. nach einem Brand neu aufgebaut und entsprechend dieser Zeit ausgemalt. Die Ausmalung war in großen Teilen vorhanden, so dass dieses kleine Gebäude als Kleinod rekonstruiert wurde. Es dient jetzt als „Sektbar“ und als Außenstelle des Standesamtes Radebeul.
Neubau Produktionsanlage für Sekt und Wein
Die neue Produktionshalle stellt sich als modernes Gebäude neben die bestehende barocke Anlage und schließt diese nun nach Osten ab. Der Neubau umfasst Verwaltung und Lager, „Gläserne Produktion“ und Besucherbereich mit Markt.
Das öffnet sich das Gebäude mit seiner Westfassade zur barocken Schlossanlage und erlaubt so jederzeit den Bezug zwischen Wein- und Sektproduktion und den Weinbergen. Entlang der Zufahrtsstraße präsentiert sich unscheinbar und geschlossen die Lagerhalle, bis sich vom Weinplatz aus der Blick für die Gesamtanlage öffnet. Die grau lasierte Holzfassade korrespondiert mit den Terrassen des Weinbergs.
Der Glasfassade zum Weinberg und zur barocken Schloss- und Gartenanlage hin ist eine zweite Schicht mit Holzlamellen als Sonnenschutz vorgestellt. Im Zwischenraum entsteht so ein Weg zwischen Innen und Außen, der zwischen Produktion und dem davor gepflanzten Weinfeld vermittelt und Auftakt für die geführten Touren ist.
Das Gebäudekonzept wurde auf den Produktionsprozess und die technischen Abläufe hin optimiert. Das Weingut bietet bei laufendem Betrieb geführte Touren durch die Produktion. In diesem Zusammenhang war die Berücksichtigung der Besucher bereits in der Grundorganisation der Produktionshalle unabdingbar.
Im Gebäude der Produktionsanlage sind neben den für die Weinherstellung notwendigen Produktions- und Abfüllanlagen, für den Wein auch der Fasskeller, im Sektbereich die Flaschenrüttelanlage für die Sektproduktion und der Handrüttelbereich untergebracht. Im nördlichen Gebäudekopf liegen die Mitarbeiter- und die Nebenräume und vor allem der Markt. Hier werden die erzeugten Produkte, Accessoires und weitere Lebensmittel direkt verkauft.
| Ort | Wackerbarthstraße 1, 01445 Radebeul |
| Zeit | 2000 – 2002 |
| Auftraggeber | Sächsisches Staatsweingut GmbH / Wein- und Sektkontor Radebeul GmbH / Wackerbarthstraße 1, 01445 Radebeul |
| Leistungsbild | HOAI § 15, LP 1–9 |
| Beteiligte | Haufe Lohse Pätzig / Freie Landschaftsarchitekten, Dresden |
| Preis | Wein und Architektur 2007, 1. Preis / BDA-Preis Sachsen 2004, Anerkennung / Architekturpreis der Westhyp-Stiftung für vorbildliche Gewerbebauten 2004, Anerkennung / Bauherrenpreis der Stadt Radebeul, 2004 |
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